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Keine Angst vor Ehec: Mannheimer Krankenhäuser sind auf ihren Intensivstationen gerüstet für den „Fall der Fälle“ – Krankenpfleger helfen in Kiel mit

16. Juni 2011

 "Wir sind gewappnet", sagt Dr. Stefan Resch mit Blick auf die Ehec-Krise. Der Internist und Nephrologe hat jeweils eine Dialyse-Praxis am Diakonissen- und am Theresienkrankenhaus. Bisher gibt es weder an diesen beiden Krankenhäusern noch am Mannheimer Universitätsklinikum einen Rhec-Patienten. Auch wenn am Wochenende im Theresienkrankenhaus ein Patient mit starkem Durchfall sofort auf Ehec untersucht wurde, und - Gott sei Dank - nicht davon betroffen war. Auf alle Fälle steht Dr. Stefan Resch täglich mit den Kollegen der Intensivmedizin wegen der Ehec-Krise in Kontakt, im Uniklinikum können in der Notaufnahme rund um die Uhr Verdachtsfälle aufgenommen und abgeklärt werden. Das Klinikum hat sogar eine eigene Internet-Seite mit den häufigsten Fragen und Antworten eingerichtet. Denn bei der Ehec-Erkrankung spielt auch die Zeit eine wichtige Rolle." Ehec ist die Abkürzung für "Entero-hämorrhagische Escherichia coli". Dieses Bakterium gehört eigentlich zu der normalen Besiedelung, die in jedem Darm vorhanden und auch notwendig ist", so die Mannheimer Universitätsmedizin. Bei den Ehec handelt es sich jedoch um eine besondere Art dieser Bakterien. Sie produzieren Zellgifte und können dadurch beim Menschen schwere Erkrankungen auslösen.


Die ersten Symptome treten meistens erst einige Tage nach der Ansteckung auf, meist mit wässrigem Durchfall, der von Übelkeit, Erbrechen und zunehmenden Bauchschmerzen begleitet werden kann. Bei etwa einem Fünftel der Fälle, so die Universitätsmedizin, können im weiteren Verlauf blutige Durchfälle auftreten. Denn das Ehec produziert ein Gift, das die Zellen des Darms schädigt. In der Folge kann das Gift in die Blutbahn und weiter in die Nieren gelangen, wo es erneut die Zellen abtötet. „In diesem Stadium muss das Gift auf dem schnellsten Weg entfernt werden", so Dr. Resch. Das gelingt mit einem speziellen Verfahren der Dialyse, mit der Plasmaseparation. Dabei wird, einfach ausgedruckt, das giftige Blutplasma gegen gesundes (gespendetes) Plasma ausgetauscht. Im besten Fall gelingt es so, die Schädigung der Nieren zu verhindern.


Ist die Erkrankung weiter fortgeschritten, kann es zum "hämolytisch-urämischen Syndrom" (HUS) kommen. "Dann besteht Todesgefahr, es droht ein Nierenversagen", sagt Dr. Resch. Helfen kann die Hämodialyse, auch "Blutwäsche" genannt. Dabei wird das Blut des Patienten außerhalb seines Körpers "gereinigt" und ihm anschließend wieder zugeführt. Sowohl im Theresien- und im Diakonissenkrankenhaus wie auch an der Universitätsmedizin ist man darauf eingerichtet, solche Patienten direkt auf den Intensivstationen mit einer Dialyse zu behandeln. Sind die Nieren sehr schwer geschädigt, kann es sein, dass der Patient für immer auf die Dialyse angewiesen sein wird.


Wie kann man sich schützen? "Die Hygiene, insbesondere die Küchenhygiene, sind das A und O", so das Uniklinikum. Man sollte sich häufig die Hände waschen, vor allem nach dem Gang auf die Toilette. Rohe Lebensmittel sollten gründlich gewaschen werden - auch vor dem Schälen - oder gar nicht erst roh verzehrt werden.


Ehec-Bakterien können durch Erhitzen abgetötet werden, also durch Kochen, Braten oder Pasteurisieren (bei mindestens 70 Grad Celsius für zehn Minuten). Tiefgefrieren dagegen garantiert nicht, das ein Lebensmittel frei von Ehec wird. Vom Uniklinikum sind inzwischen zwei intensivmedizin-erfahrene Krankenpfleger nach Kiel gereist, um im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein zu helfen.

(Rhein-Neckar-Zeitung, 9.Juni 2011 / Marion Gottlob)