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VIII. Schwetzinger MiniSymposium: Neues Medikament für die Blutgerinnung – Fachärzte der Inneren Medizin diskutierten im Lutherhaus über Alternative zu „Marcumar“

26. Mai 2010
Rund 70 Ärzte trafen sich am 9. Dezember 2009 im Lutherhaus zum VIII. Schwetzinger MiniSymposium, das unter dem Thema „Quadratur des Kreises – Effektive Gerinnungs- und Thrombozytenhemmung ohne Blutungsrisiko?“ stand. Die Organisation erfolgte durch das Dialysezentrum sowie dem Ärztenetz Schwetzingen und Hockenheim. Prof. Dr. Carl-Erik Dempfle vom Klinikum Mannheim informierte als erster Referent über „Neue orale Antikoagulantien“. Nach Einleitung mit dem aktuellen Stand der Gerinnungshemmung durch Bauchspritzen (Heparin) oder mittels des Medikaments „Marcumar“ wies Prof. Dempfle auf die Nachteile dieser Therapiemöglichkeiten, nämlich die Verabreichung durch Spritzen beim Heparin, der langen Anlaufzeit der Wirkung, Schwankungen in der Einstellung und die notwendigen Blutkontrollen hin. Aktuell stünden hier neue Medikamente vor der Zulassung. Die Medikamente zeichnen sich durch eine orale Verabreichung und eine konstante, gewichtsunabhängig, Dosierung für alle Patienten aus. Auch die kurze Wirkungsdauer und somit die rasche Beendigung der Therapie, etwas vor einer ansehenden Operation, biete Vorteile im Vergleich zu „Marcumar“. Anschließend referierte Porf. Dr. Bernd Waldecker (Chefarzt am Schwetzinger Krankenhaus) über das Thema „Differenzierte Thrombozytenaggregationshemmung“. Er wies darauf hin, dass die Thrombozytenfunktionshemmer bei Erkrankungen des arteriellen Gefäßsystems zum Einsatz kommen – hier entfalte Heparin kaum Wirkung. Nach Erklärung der Angriffspunkte der verschiedenen Medikamente beim Blutplättchen wurde auf den Einsatz der verschiedene Blutplättchenhemmer bei unterschiedlichen Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall eingegangen. Wie lange die Plättchenhemmung mit zwei Medikamenten nach Kathetereingriffen eingenommen werden müssen, wurde ausführlich erläutert. Prof. Dr. Waldecker wies darauf hin, dass hier ein differenziertes Vorgehen, je nach Dringlichkeit der Operation und es individuellen Risikos, erfolgen sollte und auch das mögliche Blutungsrisiko der Operation mitberücksichtigt werden müsse. Dr. Klaus Gondolf von den ze:ro Dialysezentren behandelte in diesem Vortrag die mögliche vermehrte Gefäßverkalkung bei nierenerkrankten Patienten durch „Marcumar“. Diese betreffe, im Gegensatz zur Arteriosklerose bei Herzerkrankungen, nicht die Innenwand der Gefäße, sondern würde zu einer „Mediaverkalkung“ führen. Die verstärkte Mediaverkalkung unter „Marcumar“ habe sich bislang in Tierexperimenten nachweisen lassen und auch eine Analyse bei nierenerkrankten Patienten deute auf eine vermehrte Mediaverkalkung hin. Insgesamt sei die Datenlage allerdings noch nicht gesichert. Im Anschluss an die Vorträge entwickelte sich eine lebhafte Diskussion zu den einzelnen Themen. Insgesamt war die Resonanz der teilnehmenden Ärzte auf das MiniSymposium sehr positiv, so dass beschlossen wurde, dass man die Tradition der Schwetzinger MiniSymposien auch nächstes Jahr weiterführen wolle. (26.05.2010 / EB)